Textil-Siegel-Guide

Leider gibt es in der Fashionindustrie bisher noch kein gesetzlich geschütztes Zertifikat, das sauber und fair hergestellte Mode gewährleistet. Bei der Vielzahl von kleinen und unabhängigen Textil-Siegeln ist es schwer den Überblick zu behalten. Daher haben wir hier die Wichtigsten für euch zusammengetragen. Der Guide soll euch bei der Orientierung im Modemarkt helfen und vielleicht die ein oder andere eurer Kaufentscheidung unterstützen.

 

ivn

 

IVN Best

Das IVN Best Siegel ist das Strengste auf dem Markt und liegt somit weit über der Gesetzgebung der europäischen Union. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat das Label im Jahr 2000 eingeführt. Gültig ist es, nur für Naturfasern, also 100 Prozent biologisch erzeugte Fasern. Das Chemikalienmanagement ist besonders streng geregelt. Für Anbau und Verarbeitung definiert das Siegel Sozialstandards und garantiert existenzsichernde Löhne. Auch sämtliche Transportmittel und -wege müssen dokumentiert werden.

Hier ist das Siegel zu finden: IVN Best-gekennzeichnete Produkte gibt es bei Naturtextil-Spezialisten wie Hess Natur oder Cotonea.

 

gots

 

GOTS
GOTS wurde vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) zusammen mit der Soil Association (SA) aus England, der Organic Trade Association (OTA) aus den USA und der Japan Organic Cotton Association (JOCA) entwickelt. Der strenge Textil-Standard wurde 2006 eingeführt und wird regelmäßig aktualisiert. Neben dem ökologischen Anbau werden auch alle weiteren Produktionsschritte berücksichtigt. Es gibt zwei Qualitätsstufen bei der Vergabe des GOTS-Siegels. Aus mindestens 90 % Naturfasern muss ein Kleidungsstück bestehen, außer bei Sportbekleidung. Hier dürfen bis zu 30 % synthetische Fasern eingesetzt werden, doch 70% der Fasern müssen aus Bio-Anbau kommen. Die Chemikalien-Regularien sind hier sehr hoch. Für die Textilverarbeitung definiert es soziale Mindeststandards inklusive der Zahlung von Mindestlöhnen.
Das Siegel findet Ihr hier: mehr als 2.700 Unternehmen bieten ihre Kollektionen mit dem GOTS-Siegel -gelabelt im Handel an, zum  Beispiel in Bio-Supermärkten wie Alnatura, bei Hess Natur, in Online-Spezialhandel für grüne Mode, bei Händlern wie REWE oder als Aktionsware bei Discountern.

 

blauer engel

 

Der Blaue Engel
Das staatliche Umweltlabel „Der blaue Engel“ hat 2011 einen Standard für den Herstellungsprozess mit Kriterien wie geringe Umweltbelastung, Arbeitssicherheit und soziale Standards ins Leben gerufen. Der Standard deckt sowohl Naturfasern als auch Synthetikfasern ab. Das Siegel verbietet alle elf Detox-Chemikalien. Viele Einzelsubstanzen werden explizit benannt, so dass eine Überprüfung einfacher vollzogen werden kann.
Das Siegel findet Ihr hier: Leider nirgends, denn für Textilien gibt es derzeit keinen Lizenznehmer des Siegels und so gibt es keine Produkte, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind.

 

 bluedesign

 

bluesign
Das schweizer Unternehmen bluesign technologies AG hat einen Standard entwickelt, der die gesamte Herstellungskette von der Chemieindustrie bis zur Verarbeitung betrachtet. Es ist ein sehr strenger Standard mit der umfassendsten Negativliste von schädlichen Chemikalien.
Das Siegel findet Ihr hier: bluesign hat viele Partner, vor allem bekannte Outdoor-Hersteller wie The North Face, Patagonia aber auch Nike und Adidas gehören dazu und Baby- und Kinderkleidung von Jako-O.

 

ctoc

 

Cradle to Cradle
Die Beratungsunternehmen EPEA International und MBCD haben 1995 das Cradle to Cradle Design-Konzept entwickelt. Es werden Produkte ausgezeichnet, die nach Bewertung des Cradle to Cradle Design-Konzept Innovation Institute umweltsichere, gesundheitlich unbedenkliche und kreislauffähige Materialien verwenden. Die Zeichen-Vergabe erfolgt ausschließlich anhand eingereichter Unterlagen, Betriebsstätten werden nicht geprü̈ft.
Das Siegel findet Ihr hier: In Deutschland vertreiben Trigema und Puma einige Cradle to Cradle-Produkte. Im Einzelhandel gibt es zudem einige Heimtextilien mit dem Siegel. Mehr über Cradle to Cradle hier.

 

ecolabel

 

EU-Ecolabel
Die EU-Blume ist 1993 als Umweltlabel eingefü̈hrt worden. Wie der deutsche Blaue Engel gilt das EU-Ecolabel fü̈r verschiedene Produktgruppen. Bei Textlien gilt ein Standard aus dem Jahr 2009, dessen Überarbeitung sich in die Länge zieht. Entwürfe versprechen Verbesserungen, in Brüssel ist jedoch noch keine Einigung in Sicht.
Das Siegel findet Ihr hier: Textilien mit dem EU-Ecolabel sind in Deutschland kaum verbreitet. In Deutschland zählt vor allem Aktionsware von Discountern dazu, die meist zusätzlich mit weiteren hier vorgestellten Standards ausgelobt wird.

 

ökotext

 

Öko-Text Standard 100
Den Öko-Tex Standard 100 vergibt die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie seit 1992. Der Öko-Tex Standard 100, zertifiziert ausschließlich die Schadstoffarmut des gekauften textilen Produktes. Der Standard hat keinerlei Aussagekraft, was die Herstellungsbedingungen der zertifizierten Textilien betrifft. Untersuchungen werden ausschließlich an eingereichten Proben durchgefü̈hrt, es finden keine Betriebsprüfungen statt. Je nach Einsatzzweck des konkreten Produktes variieren die im Standard gerade noch erlaubten Rückstände bestimmter bedenklicher Stoffe.
Das Siegel findet Ihr hier: Das Textilsiegel ist am weitesten verbreitet, Produkte mit dem Öko-Tex 100 sind überall im Einzelhandel zu finden.

 

ökotext100

 

Öko-Tex 100 plus
Seit 2004 vergab die Internationale Gemeinschaft fü̈r Forschung und Prü̈fung ergänzend den Öko-Tex Standard 1000 fü̈r Produktionsstätten; seit Neuestem heißt der Standard STeP (Sustainable Textile Production) und soll eine nachhaltige und faire Produktion zertifizieren. Der Öko-Tex Standard 100 plus ist eine Kombination aus Öko-Tex 100 und STeP. Für Öko-Tex-100-plus-Produkte gelten Umwelt-Anforderungen entlang der gesamten Textilen-Kette: Energie, Wasser, Luft und Emissionen werden berücksichtigt. Chlorbenzole sind verboten, chlorierte Lösungsmittel bleiben davon unberührt, ebenso wie per- und polyfluorierte Chemikalien.
Das Siegel findet Ihr hier: Während der Öko-Tex 100 von mehreren tausend Herstellern genutzt werden darf, sind es deutlich weniger als hundert Hersteller, die Textilien mit dem Öko-Tex 100 plus kennzeichen.

 

biore

 

bioRe
Das Textil-Label bioRe zeichnet ausschließlich Bio-Baumwoll-Kleidung der Schweizer Firma Remei AG aus. Der Standard regelt die Weiterverarbeitung der Bio-Baumwolle aus den eigenen Anbauprojekten in Indien und Tansania. Alle Chemikalien, die in der Detox-Kampagne von Greenpeace überprüft wurden, sind bei bioRe verboten. Die Verbote für Azofarbstoffe und Weichmacher sind mit Grenzwerten hinterlegt, diese fehlen aber derzeit noch bei Alkylphenolen. Grenzwerte für Flammschutzmittel und PFC sind nicht nötig, da Remei keine Kleidung herstellt, die entsprechend ausgerüstet werden muss.
Das Siegel findet Ihr hier: bioRe-Produkte gibt es im Greenpeace Magazin Shop, bei Mammut, Elkline, Globetrotter oder unter dem FairAlliance-Label der REWE-Group.
Aus Greenpeace-Sicht könnt ihr gegenwärtig GOTS-, IVN Best und bioRe-gelabelter Kleidung vertrauen. Wer sich noch umfassender informieren möchte, kann das mit dem Greenpeace-Ratgeber „Textil-Label unter der Detox-Lupe“.

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